Erneuerbare Energie

Agri-Photovoltaik und Freiflächen-PV: Strom und Acker auf einer Fläche

Von der Redaktion · 6. Juli 2026 · 6 Min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Agri-Photovoltaik nutzt dieselbe Fläche gleichzeitig für Solarstrom und Landwirtschaft - die Bewirtschaftung darf dabei nur geringfügig beeinträchtigt werden.
  • Damit das funktioniert, stehen die Module hoch aufgeständert (Unterkante mindestens 80 cm, für Förderzuschlag mindestens 2 Meter) oder senkrecht in Reihen mit mindestens 2 Metern Abstand.
  • Für innovative Agri-PV gibt es beim EAG-Investitionszuschuss einen Aufschlag von 30 Prozent; reine Freiflächenanlagen werden dagegen geringer gefördert.
  • Die Doppelnutzung schont wertvollen Boden, spendet den Kulturen Schatten und schützt vor Hagel - in Widmungsverfahren wird Agri-PV daher meist positiv gesehen.
Agri-Photovoltaik und Freiflächen-PV: Strom und Acker auf einer Fläche

Eine Fläche, zwei Ernten

Flächen sind knapp, und jede Freifläche für Solarstrom fehlt anderswo. Agri-Photovoltaik (Agri-PV) löst diesen Zielkonflikt elegant: Sie nutzt dieselbe Fläche gleichzeitig für Strom und Landwirtschaft. Über oder zwischen den Kulturen stehen Solarmodule, während darunter oder daneben weiter Getreide wächst, Obst reift oder Schafe weiden. Entscheidend ist, dass die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleibt und nur geringfügig beeinträchtigt wird - sonst wäre es eine reine Freiflächenanlage.

Wie die Module stehen

Damit Traktor und Pflanzen genug Platz haben, gelten klare technische Vorgaben. Zwei Bauweisen haben sich herausgebildet:

  • Hoch aufgeständert: Die Module stehen auf hohen Ständern über der Fläche - die Unterkante muss mindestens 80 Zentimeter, für den Förderzuschlag sogar mindestens zwei Meter über dem Boden liegen. Darunter wird normal bewirtschaftet.
  • Vertikal (senkrecht): Beidseitig aktive Module stehen senkrecht in Reihen mit mindestens zwei Metern Abstand. Sie liefern morgens und abends Strom und lassen breite Bearbeitungsstreifen frei.

Beide Varianten sind auf die Landwirtschaft abgestimmt - die Fläche bleibt Acker oder Wiese und wird nicht versiegelt.

Förderung und Abgrenzung zur Freifläche

Der Unterschied zwischen Agri-PV und reiner Freiflächen-PV ist vor allem beim Geld wichtig. Für innovative Agri-PV, die die Kriterien erfüllt (vertikal oder mindestens zwei Meter aufgeständert), gibt es beim EAG-Investitionszuschuss einen Aufschlag von 30 Prozent. Reine Freiflächenanlagen auf dem Boden werden dagegen geringer gefördert, weil sie die Fläche der Landwirtschaft entziehen. Auch in Widmungsverfahren wird Agri-PV positiver gesehen - in manchen Bundesländern lassen sich kleinere Flächen sogar ohne Umwidmung nutzen.

Die Vorteile der Doppelnutzung

Agri-PV bringt mehr als nur Strom auf zweiter Ebene. Die Module spenden Schatten und mindern Trockenstress und Verdunstung bei den Kulturen, sie schützen vor Hagel und Starkregen, und sie liefern dem Landwirt ein zusätzliches, wetterunabhängiges Einkommen. Gleichzeitig bleibt der wertvolle Boden erhalten. Gerade in Zeiten häufigerer Wetterextreme kann die Kombination aus Ernte und Solarstrom für die Landwirtschaft doppelt attraktiv sein - Strom von oben, Nahrung von unten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Agri-PV und Freiflächen-PV?

Bei Agri-PV bleibt die Fläche landwirtschaftlich nutzbar - die Module stehen hoch oder senkrecht, darunter wird weiter bewirtschaftet. Freiflächen-PV belegt die Fläche ganz mit bodennahen Modulen. Agri-PV wird deshalb höher gefördert und leichter gewidmet.

Leiden die Pflanzen unter den Modulen?

Bei richtiger Auslegung nicht - im Gegenteil. Der Teilschatten kann Trockenstress mindern, und die Module schützen vor Hagel und Starkregen. Wichtig ist genug Licht und Abstand, damit Wachstum und Bearbeitung möglich bleiben.

Lohnt sich Agri-PV für einen Landwirt?

Oft ja: zusätzliches, wetterunabhängiges Einkommen aus Strom, Schutz der Kulturen und der höhere Förderzuschlag machen die Anlagen attraktiv - vorausgesetzt, Standort, Kultur und Technik passen zusammen.