Photovoltaik-Hersteller aus Europa: Wer 2026 noch Module baut
- Über 80 % der weltweiten Solarmodule kommen aus China - der europäische Anteil an der Produktion ist klein geworden.
- Die einstigen europäischen Hoffnungsträger sind gescheitert: SolarWorld ging 2017 in die Insolvenz, Meyer Burger folgte 2025/26.
- Es bleiben einige Qualitäts- und Nischenhersteller - darunter drei aus Österreich: Energetica und Kioto in Kärnten sowie DAS Energy in Wiener Neustadt.
- Der Made-in-Europe-Bonus im EAG-Investitionszuschuss macht europäische Module wieder attraktiver - sie sind aber weiter teurer als asiatische Massenware.

Europa produziert kaum noch Module - die Wahrheit hinter dem Label
Wer heute nach dem größten europäischen Photovoltaik-Hersteller fragt, stellt die falsche Frage. Die Realität 2026: Über 80 Prozent aller weltweit gebauten Solarmodule kommen aus China. Die vier größten Hersteller - JinkoSolar, LONGi, Trina Solar und JA Solar - liefern jeweils zwischen 70 und über 90 Gigawatt pro Jahr. Zum Vergleich: Die gesamte verbliebene europäische Modulproduktion ist ein Bruchteil davon.
Für Käuferinnen und Käufer heißt das: Das Modul auf dem österreichischen Dach stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Asien - selbst wenn der Anbieter ein europäischer Name ist. Trotzdem gibt es sie noch, die Hersteller mit echter Produktion in Europa. Nur sind es deutlich weniger als früher.
Der Absturz der europäischen Hoffnungsträger
Die Geschichte der europäischen Solarindustrie ist eine Geschichte gescheiterter Champions. Der deutsche Weltmarktführer SolarWorld - vor Jahren noch das Aushängeschild - ging 2017 in die Insolvenz. 2025 folgte der wohl bitterste Fall: Der Schweizer Hersteller Meyer Burger, lange als letzte große europäische Hoffnung gehandelt, meldete Insolvenz an. Die deutschen Werke in Thalheim und Hohenstein-Ernstthal wurden geschlossen, rund 600 Beschäftigte verloren ihren Job, die Aktionäre gingen leer aus, der Aktienhandel endete Anfang 2026.
Der Grund ist immer derselbe: Überkapazitäten und ein Preisdruck aus China, gegen den europäische Werke mit ihren höheren Lohn- und Energiekosten nicht ankommen. Als dann auch noch die Förderungen sanken, kippte das Geschäftsmodell. Ein europäisches Modul ist schlicht teurer in der Herstellung - und der Weltmarkt zahlt diesen Aufpreis nicht freiwillig.
Die europäischen Hersteller, die durchhalten
Ganz vom Feld sind die Europäer aber nicht. Wer bleibt, setzt auf Qualität, Service und Nischen statt auf den Preis:
- Solarwatt (Dresden): positioniert sich als Premium-Komplettanbieter mit starkem Fokus auf Service, Garantie und Gesamtsysteme aus Modul, Speicher und Energiemanagement.
- Qcells: deutsche Forschungswurzeln in Thalheim, gehört heute zum koreanischen Hanwha-Konzern; die Fertigung liegt überwiegend außerhalb Europas.
- REC Group: 1996 in Norwegen gegründet, ein traditionsreicher Name, dessen Produktion inzwischen aber in Asien liegt.
- Heckert Solar, Luxor Solar, AxSun: kleinere deutsche Hersteller, die vor allem den europäischen Qualitätsmarkt bedienen.
Das Muster ist klar: Europäische Marke heißt heute meist europäische Entwicklung und europäischer Service - die Zellen und oft auch die Module kommen trotzdem aus Asien.
Solarmodule aus Österreich
Für den heimischen Markt am interessantesten sind drei Hersteller, die tatsächlich in Österreich fertigen:
| Hersteller | Standort | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Energetica | Liebenfels, Kärnten | Hochleistungsmodule, Fertigung ausschließlich in Österreich, eigene Gigawatt-Fabrik |
| Kioto Photovoltaik | St. Veit an der Glan, Kärnten | mono- und polykristalline Module in europäischer Qualität |
| DAS Energy | Wiener Neustadt | leichte, flexible Module für Industrie- und Gewerbedächer, patentierte Technologie |
Energetica wirbt offensiv mit dem Slogan Made in Austria und beliefert vom Einfamilienhaus bis zum Großprojekt. DAS Energy geht einen eigenen Weg: Ihre Module mit faserverstärktem Kunststoffkern sind deutlich leichter und flexibler als klassische Glasmodule - ideal für Dächer, die das Gewicht herkömmlicher Anlagen nicht tragen. Die österreichische Solarbranche ist klein, aber sie existiert - und das ist im europäischen Vergleich schon eine Ansage.
Warum europäische Module wieder gefragt sind
Ausgerechnet die Politik gibt den europäischen Herstellern gerade Rückenwind. Der EAG-Investitionszuschuss enthält seit 2025 einen Made-in-Europe-Bonus: Für europäische Module, Wechselrichter und Speicher gibt es je 10 Prozent, in Summe bis zu 30 Prozent mehr Förderung. Das verkleinert den Preisabstand zur asiatischen Konkurrenz spürbar - erstmals seit Jahren ein handfester Anreiz, heimisch zu kaufen.
Dazu kommt ein Argument, das die Energiekrise gelehrt hat: kurze Lieferketten. Wer in Österreich produziert, ist unabhängiger von Handelskonflikten, Frachtraten und geopolitischen Risiken. Ein Vorteil, der sich nicht in jeder Preistabelle zeigt, aber in unsicheren Zeiten zählt.
Lohnt sich ein Modul aus Europa?
Ehrlich gesagt: Für die reine Rendite sind geprüfte asiatische Tier-1-Module meist die günstigere Wahl, und ihre Qualität ist heute hoch. Wer aber Wert auf regionale Wertschöpfung, kurze Wege und persönlichen Service legt - und den Förderbonus mitnimmt - für den ergibt ein europäisches oder österreichisches Modul durchaus Sinn. Der Aufpreis ist dank Bonus kleiner geworden, als viele denken. Am Ende zählt ohnehin mehr das Gesamtpaket aus Anlage, Speicher und Fachbetrieb als das Herkunftsland des einzelnen Moduls.
Häufige Fragen
Wer ist der größte Solarhersteller der Welt?
JinkoSolar und LONGi aus China wechseln sich an der Spitze ab, gefolgt von Trina Solar und JA Solar. Alle vier liefern ein Vielfaches der gesamten europäischen Produktion.
Sind chinesische Module schlechter als europäische?
Nein. Qualitativ hochwertige Tier-1-Hersteller aus China liefern zuverlässige Module mit langen Garantien. Europäische Anbieter punkten eher bei Service, Nähe und Lieferketten als bei der reinen Zellqualität.