Erdwärme: die konstante Energiequelle aus dem Boden
- Wenige Meter unter der Oberfläche herrschen ganzjährig konstante Temperaturen - diese Erdwärme ist eine nahezu unerschöpfliche, wetterunabhängige Energiequelle.
- Genutzt wird sie meist über eine Erdwärmepumpe, die die Bodenwärme mit Flächenkollektoren oder Tiefensonden aufnimmt und aufs Heizniveau bringt.
- Weil die Quelle konstant und warm ist, arbeitet eine Erdwärmepumpe besonders effizient - oft besser als eine Luftwärmepumpe, gerade im Winter.
- Die Bohrung macht die Anlage teurer als eine Luftwärmepumpe; dafür senkt die hohe Effizienz die Betriebskosten dauerhaft - und es gibt Förderung.

Wärme, die immer da ist
Während an der Oberfläche Sommer und Winter wechseln, herrscht schon wenige Meter unter der Erde ganzjährig eine konstante Temperatur von rund 10 Grad. Weiter unten wird es kontinuierlich wärmer. Diese im Boden gespeicherte Energie - die Erdwärme oder Geothermie - ist nahezu unerschöpflich und völlig wetterunabhängig: Sie liefert Tag und Nacht, im Sommer wie im tiefsten Winter. Genau das macht sie zu einer besonders wertvollen Energiequelle.
So wird Erdwärme nutzbar
Für das Eigenheim wird Erdwärme fast immer über eine Erdwärmepumpe genutzt. Sie entzieht dem Boden die Wärme und hebt sie mit etwas Strom auf ein Niveau, das zum Heizen und für Warmwasser taugt. Drei Wege bringen die Wärme aus dem Boden:
- Flächenkollektor: In geringer Tiefe werden großflächig Rohre horizontal verlegt. Das ist günstig, braucht aber viel unbebaute Gartenfläche.
- Erdwärmesonde (Tiefenbohrung): Senkrecht wird bis zu rund hundert Meter tief gebohrt und eine Sonde eingelassen. Sie braucht wenig Fläche und liefert besonders konstante Temperaturen - ist aber teurer und genehmigungspflichtig.
- Grundwasser-Wärmepumpe: Über einen Saug- und einen Schluckbrunnen wird das relativ warme Grundwasser genutzt. Sehr effizient, aber nur bei geeignetem, ausreichend ergiebigem Grundwasser möglich - und ebenfalls wasserrechtlich zu bewilligen.
Für sehr große Projekte gibt es zudem die tiefe Geothermie, die heißes Wasser aus mehreren tausend Metern Tiefe fördert - etwa für Fernwärmenetze oder Thermen.
Der große Vorteil: hohe Effizienz
Weil die Erdwärmepumpe aus einer konstant warmen Quelle schöpft, arbeitet sie sehr effizient. Aus einer Kilowattstunde Strom macht sie oft vier oder mehr Kilowattstunden Wärme - die Jahresarbeitszahl liegt typischerweise bei 4 bis 5 und damit höher als bei einer Luftwärmepumpe (meist 2,5 bis 3,5). Gerade im Winter ist sie damit klar überlegen, denn die Effizienz einer Luftwärmepumpe sinkt bei großer Kälte - die Erde dagegen bleibt warm, während die Außenluft eiskalt ist. Über das Jahr bedeutet das spürbar niedrigere Heizkosten. Wer den Strom für die Pumpe noch mit einer eigenen PV-Anlage erzeugt, heizt besonders günstig.
Was Erdwärme kostet
Der Preis ist die Kehrseite. Die Erschließung des Erdreichs macht eine Erdwärmeanlage teurer als eine Luftwärmepumpe - wie viel, hängt von der Erschließungsart ab:
- Erdwärmesonde (Bohrung): Die reine Bohrung kostet je nach Untergrund rund 60 bis 100 Euro pro Bohrmeter, mit allen Nebenarbeiten eher um 120 Euro pro Laufmeter. Ein Einfamilienhaus kommt meist mit ein bis zwei Sonden aus; für die gesamte Erschließung sind grob 10.000 bis 20.000 Euro zu veranschlagen.
- Flächenkollektor: Deutlich günstiger mit rund 3.000 bis 8.000 Euro - dafür braucht er Platz: etwa 200 bis 400 Quadratmeter unbebaute, unversiegelte Gartenfläche.
Dazu kommt die Wärmepumpe selbst. Diese Mehrkosten gegenüber einer Luftwärmepumpe holt man über die niedrigeren Betriebskosten mit der Zeit wieder herein - und die Anlage wird gefördert: Der Umstieg auf eine Wärmepumpe wird über die Sanierungsoffensive unterstützt, für die Erdwärmebohrung gibt es zusätzlich einen eigenen Bohrbonus von bis zu 5.000 Euro. Details im Ratgeber zu den Wärmepumpen-Förderungen.
Für wen sich Erdwärme lohnt
Erdwärme spielt ihre Stärken vor allem im Neubau und bei größeren Sanierungen aus, wo die Bohrung oder der Kollektor ohnehin gut integrierbar ist und Flächenheizungen die niedrige Vorlauftemperatur ideal nutzen. Wer die Fläche für einen Kollektor hat oder eine Bohrung durchführen kann und langfristig denkt, wird mit der hohen Effizienz und den stabilen Kosten belohnt. Für die reine Nachrüstung im dicht bebauten Bestand ohne Garten ist dagegen oft die Luftwärmepumpe praktischer.
Häufige Fragen
Was kostet eine Erdwärmeanlage ungefähr?
Für die Erschließung sind je nach Verfahren rund 3.000 bis 8.000 Euro (Flächenkollektor) oder etwa 10.000 bis 20.000 Euro (Tiefenbohrung) anzusetzen, dazu die Wärmepumpe selbst. Förderungen - Sanierungsoffensive plus Bohrbonus - senken den Betrag deutlich, und die niedrigen Betriebskosten arbeiten die Mehrausgabe über die Jahre wieder herein.
Kühlt der Boden durch die Nutzung nicht aus?
Bei richtig dimensionierter Anlage nicht dauerhaft - im Sommer regeneriert sich das Erdreich, und manche Systeme nutzen die Erde sogar zusätzlich zum sanften Kühlen im Sommer. Eine fachgerechte Auslegung ist aber wichtig.
Braucht eine Tiefenbohrung eine Genehmigung?
Ja. Erdwärmesonden und Grundwasser-Wärmepumpen sind wasserrechtlich relevant und werden bei der Bezirksverwaltungsbehörde als Wasserrechtsbehörde angezeigt beziehungsweise bewilligt. Der ausführende Fachbetrieb kümmert sich in der Regel um die nötigen Bewilligungen.