Ökostrom in Österreich: Was wirklich dahintersteckt
- Ökostrom stammt aus erneuerbaren Quellen - in Österreich vor allem aus Wasserkraft (rund 60 Prozent des Stroms), dazu Wind und Sonne.
- Das strengste Gütesiegel ist das Umweltzeichen UZ 46 'Grüner Strom': Es verlangt einen ausgewogenen Mix, neue Anlagen und verbietet den getrennten Handel von Herkunftsnachweisen.
- Vorsicht bei Greenwashing: Über zugekaufte Herkunftsnachweise kann auch Graustrom als 'Ökostrom' verkauft werden - ein echtes Gütesiegel schützt davor.
- Der Wechsel ist einfach und kostenlos: Der Netzbetreiber bleibt derselbe, nur der Lieferant ändert sich - vergleichen lässt sich am besten über den Tarifkalkulator der E-Control.

Was Ökostrom wirklich bedeutet
Ökostrom ist Strom aus erneuerbaren Quellen - Wasserkraft, Wind, Sonne und Biomasse. Österreich hat hier einen natürlichen Vorteil: Rund 60 Prozent des heimischen Stroms stammen aus Wasserkraft, dazu kommen rund 13 Prozent Windkraft und ein wachsender Anteil Photovoltaik. Die genauen Anteile weist die Stromkennzeichnung der E-Control jährlich aus. Der Rest, rund ein Fünftel, kommt noch aus thermischen Kraftwerken. Wer Ökostrom bezieht, unterstützt den Ausbau dieser erneuerbaren Erzeugung.
Doch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Der Begriff ist nicht so streng geschützt, wie viele denken - und genau da lohnt der genaue Blick.
Herkunftsnachweise und das Greenwashing-Problem
Damit Strom als 'grün' verkauft werden darf, braucht es Herkunftsnachweise: Zertifikate, die belegen, dass irgendwo eine entsprechende Menge Ökostrom erzeugt wurde. Das Problem: Diese Nachweise lassen sich getrennt vom Strom handeln. So kann ein Anbieter billigen Graustrom einkaufen, dazu günstige Herkunftsnachweise aus dem Ausland - und das Ganze als 'Ökostrom' verkaufen, ohne dass ein einziges neues Windrad dafür gebaut wurde. Genau das ist Greenwashing.
Für die Umwelt macht es einen großen Unterschied, ob Ihr Geld in bestehende, abgeschriebene Wasserkraftwerke fließt oder in den echten Ausbau neuer Anlagen.
Das Gütesiegel UZ 46 'Grüner Strom'
Der beste Schutz vor Etikettenschwindel ist ein strenges Gütesiegel. In Österreich ist das das Umweltzeichen UZ 46 'Grüner Strom', vergeben vom Klimaschutzministerium. Es stellt deutlich höhere Anforderungen als das gesetzliche Minimum:
- Ausgewogener Mix: Vorgeschrieben ist eine Mischung aus Wasser, Wind und Sonne - maximal 79 Prozent dürfen aus Wasserkraft stammen, damit auch Wind und Sonne gefördert werden.
- Neue Anlagen: Ein Teil des Stroms muss aus neuen oder in den letzten 15 Jahren modernisierten Anlagen kommen - das treibt den echten Ausbau voran.
- Kein getrennter Handel: Herkunftsnachweise und Strom müssen gemeinsam erworben werden. So ist sichergestellt, dass wirklich der bezogene Strom grün ist.
Wer auf dieses Zeichen achtet, geht auf Nummer sicher.
So wechseln Sie zu Ökostrom
Der Umstieg ist einfacher, als viele glauben - und kostenlos. Wichtig zu wissen: Der Netzbetreiber bleibt immer derselbe, nur der Energielieferant wechselt. An Ihrer Steckdose ändert sich physikalisch nichts, die Versorgung ist zu keiner Sekunde unterbrochen. Der neue Anbieter kümmert sich in der Regel um die Kündigung beim alten.
Zum Vergleichen nutzen Sie am besten den unabhängigen Tarifkalkulator der E-Control. Dort filtern Sie gezielt nach zertifiziertem Ökostrom und sehen die Preise für Ihr Netzgebiet. Ein Wechsel bringt oft nicht nur mehr Grün, sondern auch eine niedrigere Rechnung - Details im Ratgeber zu den aktuellen Strompreisen.
Noch grüner: selbst erzeugen und teilen
Der grünste Strom ist der, den Sie selbst erzeugen. Eine PV-Anlage am eigenen Dach macht unabhängig von Preisen und Herkunftsnachweisen. Und wer den Überschuss nicht ins Netz einspeisen, sondern mit Nachbarn teilen will, gründet oder tritt einer Energiegemeinschaft bei - lokaler geht Ökostrom nicht. Worauf Sie bei der Anbieterwahl sonst achten sollten, lesen Sie im Ratgeber zu den Ökostrom-Anbietern.
Häufige Fragen
Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?
Nicht unbedingt. Da der österreichische Strommix ohnehin stark erneuerbar ist, liegen viele zertifizierte Ökostrom-Tarife preislich gleichauf mit konventionellen - manche sind sogar günstiger. Ein Tarifvergleich lohnt sich in jedem Fall.
Wer vergibt das Umweltzeichen UZ 46?
Das Österreichische Umweltzeichen wird vom Klimaschutzministerium vergeben. Die genauen Kriterien der aktuellen Richtlinie stehen auf umweltzeichen.at. Tarife vergleichen können Sie beim Tarifkalkulator der E-Control.