Energiewirtschaft

Wie funktioniert ein Speicherkraftwerk?

Von der Redaktion · 4. Juli 2026 · 7 Min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Speicherkraftwerk sammelt Wasser in einem hochgelegenen Stausee und lässt es gezielt durch Turbinen - so erzeugt es Strom regelbar, genau dann, wenn er gebraucht wird.
  • Der Sonderfall ist das Pumpspeicherkraftwerk: Es pumpt bei Stromüberschuss Wasser nach oben und gewinnt daraus bei Bedarf wieder Strom - eine riesige, wiederaufladbare Batterie.
  • Damit gleichen Speicherkraftwerke die Schwankungen von Sonne und Wind aus und stabilisieren das Netz in Minutenschnelle.
  • Österreichs Bergwelt macht das Land zu einem idealen Standort - Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke sind ein Schlüssel der heimischen Stromversorgung.
Wie funktioniert ein Speicherkraftwerk?

Das Prinzip: Wasser als speicherbare Energie

Das Speicherkraftwerk gehört zur Familie der Wasserkraftwerke, unterscheidet sich aber grundlegend vom Laufkraftwerk am Fluss. Während ein Laufkraftwerk die kontinuierliche Strömung nutzt und gleichmäßig Strom liefert, sammelt ein Speicherkraftwerk Wasser in einem hochgelegenen Stausee - gespeist von Zuflüssen, Schmelzwasser und Regen. Dieses aufgestaute Wasser ist gespeicherte Energie, die auf Abruf bereitsteht.

So entsteht der Strom

Wird Strom gebraucht, öffnet man die Zuleitungen: Das Wasser strömt durch Druckrohrleitungen viele hundert Meter in die Tiefe zum Krafthaus. Dort treibt es Turbinen an, die wiederum Generatoren drehen und Strom erzeugen. Je größer der Höhenunterschied und je mehr Wasser, desto mehr Leistung. Der entscheidende Vorteil: Man kann den Zufluss - und damit die Stromerzeugung - gezielt steuern. Ein Speicherkraftwerk liefert also genau dann, wenn der Bedarf hoch ist, etwa zu den abendlichen Verbrauchsspitzen.

Der Sonderfall: das Pumpspeicherkraftwerk

Die faszinierendste Variante ist das Pumpspeicherkraftwerk. Es besitzt zwei Becken - eines oben, eines unten. Ist gerade viel Strom im Netz und billig, etwa mittags bei viel Sonnenstrom, nutzt das Kraftwerk diesen Überschuss, um Wasser vom unteren ins obere Becken zu pumpen. Fehlt später Strom, lässt es das Wasser wieder ab und erzeugt daraus Energie. Kurz gesagt: Es lädt sich mit überschüssigem Strom auf und gibt ihn bei Bedarf zurück - eine gigantische, wiederaufladbare Batterie aus Wasser und Schwerkraft. Rund drei Viertel der eingesetzten Energie kommen dabei wieder heraus.

Warum das für die Energiewende zentral ist

Genau diese Fähigkeit macht Speicherkraftwerke unverzichtbar. Photovoltaik und Windkraft liefern schwankend - mal zu viel, mal zu wenig. Pumpspeicher fangen das ab: Sie speichern Überschüsse und decken Engpässe in Minuten. Damit sind sie das ideale Gegenstück zu den neuen Erneuerbaren und ein Grund, warum intelligente Stromnetze überhaupt funktionieren. Österreichs Alpen mit ihren großen Höhenunterschieden bieten dafür ideale Bedingungen - das Land ist ein natürlicher Stromspeicher Europas.

Beispiele aus Österreich

Österreich betreibt einige der leistungsstärksten Pumpspeicher Europas. Das bekannteste Beispiel ist die Kraftwerksgruppe Kaprun in den Hohen Tauern: Ihre Anlagen bringen zusammen rund 1.380 Megawatt Pumpspeicherleistung. Das jüngste Werk, Limberg III, ging nach mehrjähriger Bauzeit in Betrieb und liefert allein bis zu 480 Megawatt - so viel wie ein mittelgroßes Kraftwerk, aber in Sekunden regelbar. Weitere große Speicher stehen in Kärnten (Kraftwerksgruppe Malta) und in Vorarlberg (Kopswerk II). Allein der Verbund verfügt über rund 2.300 Megawatt Pumpleistung - eine riesige, wetterunabhängige Reserve für das europäische Netz.

Häufige Fragen

Wie schnell kann ein Speicherkraftwerk Strom liefern?

Sehr schnell - innerhalb von Minuten, teils Sekunden. Genau diese Reaktionsschnelligkeit macht Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke so wertvoll, um kurzfristige Schwankungen im Netz auszugleichen.

Geht bei einem Pumpspeicher nicht Energie verloren?

Ja, ein Teil - Pumpen und Turbinieren sind nicht verlustfrei. Der Wirkungsgrad liegt bei etwa 70 bis 80 Prozent. Der Nutzen, überschüssigen Ökostrom überhaupt speichern zu können, überwiegt diesen Verlust aber deutlich.