Wasserkraft: die grüne Basis der österreichischen Stromversorgung
- Wasserkraft ist die tragende Säule der österreichischen Stromversorgung: Rund 60 Prozent des heimischen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken.
- Man unterscheidet drei Typen: Laufkraftwerke (kontinuierlich am Fluss), Speicherkraftwerke (regelbar im Gebirge) und Pumpspeicher (als riesige Stromspeicher).
- Wasserkraft liefert planbaren, CO₂-armen Strom - Pumpspeicher gleichen zudem die Schwankungen von Wind und Sonne aus.
- Der weitere Ausbau stößt an Grenzen: Die besten Standorte sind großteils genutzt, und der Gewässerschutz setzt neuen Großprojekten enge Rahmen.

Das Rückgrat der heimischen Stromversorgung
Kaum ein Land in Europa setzt so stark auf Wasserkraft wie Österreich - und das aus gutem Grund: Die Alpen und die großen Flüsse liefern ideale Bedingungen. Rund 60 Prozent des heimischen Stroms - etwa 44 Terawattstunden pro Jahr - stammen aus Wasserkraft. Die genauen Anteile weist die Stromkennzeichnung der E-Control jährlich aus. Sie ist damit die tragende Säule der Versorgung und der Hauptgrund, warum Österreich einen so hohen Anteil erneuerbaren Stroms hat. Wasserkraft ist zudem planbar - anders als Wind und Sonne liefert sie auf Abruf, was sie für ein stabiles Netz besonders wertvoll macht.
Die drei Typen von Wasserkraftwerken
Nicht jedes Wasserkraftwerk arbeitet gleich. Drei Grundtypen erfüllen unterschiedliche Aufgaben:
- Laufkraftwerk: Nutzt die kontinuierliche Strömung eines Flusses, etwa an Donau, Inn oder Drau. Das leistungsstärkste ist das Donaukraftwerk Altenwörth (328 MW), das Wiener Kraftwerk Freudenau gilt als Europas größtes Stadtkraftwerk. Solche Anlagen erzeugen gleichmäßig Strom rund um die Uhr - die verlässliche Grundlast der Wasserkraft.
- Speicherkraftwerk: Staut Wasser in einem Stausee im Gebirge auf und lässt es gezielt dann durch die Turbinen, wenn Strom gebraucht wird. Es ist regelbar und kann Lastspitzen abdecken. Mehr dazu im Ratgeber zum Speicherkraftwerk.
- Pumpspeicherkraftwerk: Der Sonderfall - es pumpt bei Stromüberschuss Wasser in ein höher gelegenes Becken und lässt es bei Bedarf wieder ab. So funktioniert es wie eine riesige Batterie.
Wasserkraft als Partner von Wind und Sonne
Gerade die Pumpspeicher werden in der Energiewende immer wichtiger. Denn Photovoltaik und Windkraft liefern schwankend - mal zu viel, mal zu wenig. Pumpspeicher fangen das ab: Bei Sonnen- oder Windüberschuss pumpen sie Wasser nach oben und speichern so die Energie; fehlt Strom, erzeugen sie ihn in Minuten. Österreichs Bergwelt ist damit ein natürlicher Speicher, um den es das Land international beneidet. Diese Rolle als flexibler Ausgleich macht die Wasserkraft zum idealen Partner der neuen Erneuerbaren.
Die Grenzen des Ausbaus
So wertvoll die Wasserkraft ist - der weitere Ausbau stößt an Grenzen. Die besten Standorte sind großteils bereits genutzt, und neue Großprojekte stoßen auf berechtigte Bedenken beim Gewässer- und Naturschutz: Kraftwerke sind Eingriffe in Flusslebensräume. Der Fokus liegt deshalb zunehmend auf der Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Anlagen sowie auf Kleinwasserkraft und dem Ausbau von Pumpspeichern. Das große Wachstum der Stromerzeugung muss künftig vor allem aus Sonne und Wind kommen.
Ökologische Bilanz
Im Betrieb erzeugt Wasserkraft nahezu keine CO₂-Emissionen und ist damit ein klarer Gewinn fürs Klima. Der ökologische Preis liegt in den Eingriffen in Flüsse: unterbrochene Fischwanderungen, veränderte Restwassermengen, gestaute Strecken. Moderne Anlagen versuchen, diese Folgen mit Fischwanderhilfen und Restwasserregelungen abzumildern. Unterm Strich bleibt Wasserkraft eine der saubersten und verlässlichsten Stromquellen - und für Österreich ein Glücksfall der Geografie. Wer bewusst grünen Strom bezieht, unterstützt sie über zertifizierten Ökostrom.
Häufige Fragen
Kann Wasserkraft ganz Österreich mit Strom versorgen?
Sie deckt bereits rund 60 Prozent - aber nicht alles, vor allem nicht in trockenen Zeiten mit wenig Wasserführung. Für eine hundertprozentig erneuerbare Versorgung braucht es die Kombination aus Wasserkraft, Wind, Sonne und Speichern.
Was ist Kleinwasserkraft?
Darunter versteht man kleine Wasserkraftwerke mit meist unter zehn Megawatt Leistung, oft an kleineren Flüssen und Bächen. Sie liefern regionalen Ökostrom und haben in Österreich eine lange Tradition.