Biogas und Biomethan in Österreich: grünes Gas aus dem Netz
- Biogas entsteht, wenn Mikroorganismen organische Reststoffe wie Wirtschaftsdünger, Ernterückstände oder Klärschlamm vergären - ganz ohne Nahrungsmittel-Konkurrenz.
- Zu Biomethan veredelt, hat das Gas Erdgasqualität und lässt sich direkt ins bestehende Gasnetz einspeisen - fast ohne Energieverlust.
- Das Erneuerbare-Gas-Gesetz (EGG) schreibt vor, bis 2030 jährlich 7,5 Terawattstunden grünes Gas ins Netz einzuspeisen - eine Verfünfzigfachung.
- Rund 270 Biogasanlagen gibt es bereits; das grüne Gas macht bestehende Gasheizungen und die Industrie schrittweise klimafreundlicher.

Wie aus Reststoffen Gas wird
Biogas ist erneuerbare Energie aus dem, was ohnehin anfällt. In einem luftdichten Behälter, dem Fermenter, zersetzen Mikroorganismen organische Reststoffe - vor allem Wirtschaftsdünger (Mist und Gülle), Ernterückstände, Zwischenfrüchte, organische Abfälle und Klärschlamm. Dabei entsteht Biogas, ein Gemisch aus Methan und CO₂. Der Clou: Es werden keine Nahrungsmittel verheizt, sondern Reststoffe verwertet, die sonst ungenutzt blieben - "jedem Misthaufen sein Kraftwerk", wie es plakativ heißt.
Von Biogas zu Biomethan
Rohes Biogas kann direkt vor Ort verstromt oder verheizt werden. Noch flexibler wird es, wenn man es zu Biomethan veredelt: Dabei wird das CO₂ abgetrennt, bis reines Methan in Erdgasqualität übrig bleibt. Dieses Biomethan lässt sich direkt ins bestehende Erdgasnetz einspeisen - fast ohne Energieverlust und über dieselben Leitungen, Speicher und Geräte, die es schon gibt. So wird das vorhandene Gasnetz Schritt für Schritt grüner, ohne dass in den Haushalten etwas umgebaut werden muss.
Das Erneuerbare-Gas-Gesetz (EGG)
Damit das im großen Stil passiert, hat Österreich das Erneuerbare-Gas-Gesetz beschlossen. Es verpflichtet die Gasversorger, einen wachsenden Anteil grünes Gas beizumischen: bis 2030 insgesamt 7,5 Terawattstunden pro Jahr - das ist rund das Fünfzigfache der heutigen Menge. Die Quote steigt schrittweise an. Wer sie nicht erfüllt, zahlt einen Ausgleichsbeitrag, aus dem wiederum neue Biogas- und Wasserstoffanlagen gefördert werden. Insgesamt sollen so bis 2030 mehrere Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden.
Was das bringt - und wo die Grenzen sind
Grünes Gas ist vor allem dort wertvoll, wo es schwer zu ersetzen ist: für bestehende Gasheizungen in der Übergangszeit, für Industrieprozesse und für Spitzenlast-Kraftwerke. Die Menge ist aber begrenzt - so wie beim grünen Wasserstoff reicht das Potenzial nicht, um alle Gasheizungen dauerhaft grün zu betreiben. Für das einzelne Eigenheim bleibt der Umstieg auf Wärmepumpe oder Biomasse meist die günstigere und sichere Lösung. Biomethan macht das System als Ganzes grüner, ersetzt aber nicht die Effizienz der direkten Alternativen.
Häufige Fragen
Ist Biogas klimaneutral?
Weitgehend ja: Beim Verbrennen wird nur das CO₂ frei, das die Pflanzen zuvor aufgenommen haben, und aus Mist und Reststoffen entweichende Methan-Emissionen werden sinnvoll genutzt statt in die Luft abgegeben. Entscheidend ist eine nachhaltige, reststoffbasierte Erzeugung.
Kann ich als Haushalt Biomethan beziehen?
Ja. Manche Gasanbieter bieten Tarife mit einem (Teil-)Anteil an zertifiziertem Biomethan an. Weil grünes Gas aber knapp und teurer ist, deckt es meist nur einen Teil des Verbrauchs. Ein Vergleich der Anbieter lohnt sich.
Warum heizen wir dann nicht alle mit Biogas?
Weil die verfügbare Menge begrenzt ist. Das nachhaltige Potenzial an Reststoffen reicht nicht, um den gesamten Gasbedarf zu decken. Grünes Gas wird deshalb dort gebraucht, wo es keine effiziente Alternative gibt - fürs Eigenheim ist die Wärmepumpe meist besser.