Energiewirtschaft

Dynamische Stromtarife in Österreich: So funktionieren aWATTar, Spotty & Co.

Von der Redaktion · 5. Juli 2026 · 6 Min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Dynamische Stromtarife koppeln den Endkundenpreis direkt an den Börsenpreis (EPEX Spot) - er ändert sich stündlich und wird am Vortag veröffentlicht.
  • Voraussetzung ist ein Smart Meter mit aktivierter stündlicher oder viertelstündlicher Messung - die Aktivierung läuft über ein Opt-in beim Netzbetreiber.
  • Wer flexible Verbraucher wie Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher gezielt in günstige Stunden legt, kann realistisch 8 bis 15 Prozent der Stromkosten sparen.
  • Am günstigsten ist Strom meist mittags (Sonnenüberschuss) und in den frühen Morgenstunden (Windüberschuss) - wer starr immer abends verbraucht, spart wenig.
Dynamische Stromtarife in Österreich: So funktionieren aWATTar, Spotty & Co.

Was ein dynamischer Stromtarif ist

Bei einem klassischen Tarif zahlt man das ganze Jahr denselben Preis pro Kilowattstunde. Ein dynamischer Stromtarif macht es anders: Er koppelt den Endkundenpreis direkt an den Börsenpreis (die EPEX Spot Austria). Der Preis ändert sich damit stündlich - und wird jeweils am Vortag ab etwa 14 Uhr für den nächsten Tag veröffentlicht. Man weiß also im Voraus, wann Strom teuer und wann er günstig ist, und kann seinen Verbrauch entsprechend planen.

Warum die Preise schwanken

Der Börsenpreis spiegelt Angebot und Nachfrage. Ist viel Ökostrom im Netz, fällt der Preis - manchmal fast auf null. Ist wenig da und die Nachfrage hoch, steigt er. In der Praxis heißt das: Strom ist meist mittags zwischen 11 und 14 Uhr am günstigsten (viel Sonnenstrom) sowie nachts zwischen 2 und 6 Uhr (Windüberschuss). Teuer wird es dagegen zur abendlichen Verbrauchsspitze. Der dynamische Tarif ist damit die logische Fortsetzung des alten Nachtstrom-Gedankens - nur viel feiner und marktnah.

Die Anbieter in Österreich

Der Markt ist noch jung, aber im Kommen. Zwei Namen fallen besonders oft:

  • aWATTar: Der Pionier, seit 2015 am österreichischen Markt. Der Tarif "HOURLY" gibt den stündlichen Börsenpreis mit einem Aufschlag von rund 1,5 Cent pro Kilowattstunde und ohne Grundpreis weiter.
  • Spotty: Ein digitaler Anbieter, der über eine App flexible Verbraucher wie Wärmepumpe oder E-Auto automatisch in die günstigen Stunden steuert - so nutzt man den Tarif, ohne selbst ständig auf den Preis zu schauen.

Weitere Anbieter ziehen nach - ein Vergleich lohnt sich, denn Aufschläge und Konditionen unterscheiden sich.

Die Voraussetzung: der Smart Meter

Ohne Smart Meter geht es nicht. Nur er misst den Verbrauch zeitgenau - die Grundlage, um stundenweise abzurechnen. In den meisten Haushalten ist er bereits installiert; nötig ist nur, die stündliche beziehungsweise viertelstündliche Messung per Opt-in beim Netzbetreiber zu aktivieren. Das ist kostenlos und in wenigen Schritten erledigt.

Für wen sich das lohnt - und für wen nicht

Der Gewinn steht und fällt mit der Flexibilität. Wer Verbraucher gezielt verschieben kann - die Wärmepumpe mittags laufen lassen, das E-Auto nachts laden, den Speicher clever füllen -, spart realistisch 8 bis 15 Prozent der Stromkosten, mit konsequentem Management sogar mehr. Wer dagegen seinen Verbrauch kaum verschieben kann oder starr immer zur teuren Abendspitze verbraucht, profitiert wenig und trägt das Risiko einzelner Preisspitzen. Ein dynamischer Tarif passt also vor allem zu Haushalten mit Wärmepumpe, E-Auto, Speicher oder PV-Anlage - und zu allen, die bereit sind, ihren Verbrauch mitzudenken oder zu automatisieren.

Häufige Fragen

Was passiert bei extremen Preisspitzen?

In seltenen Ausnahmesituationen kann der Börsenpreis stark steigen. Weil man die Preise aber am Vortag kennt, lässt sich der Verbrauch in solchen Stunden bewusst zurückfahren. Wer viel automatisiert und flexibel ist, gleicht teure Stunden über die vielen günstigen locker aus.

Brauche ich für einen dynamischen Tarif neue Geräte?

Zwingend nur einen aktivierten Smart Meter. Den vollen Vorteil holt aber heraus, wer flexible Verbraucher wie Wärmepumpe, E-Auto-Wallbox oder Batteriespeicher automatisiert in die günstigen Stunden steuert - per App oder Energiemanagementsystem.

Ist dynamischer Strom auch Ökostrom?

Das hängt vom Anbieter ab. Manche dynamischen Tarife sind mit zertifiziertem Ökostrom kombiniert. Wer Wert darauf legt, achtet zusätzlich auf ein Gütesiegel wie das Umweltzeichen UZ 46.