Heizen

Fernwärme in Österreich: Funktion, Kosten und für wen sie sich lohnt

Von der Redaktion · 6. Juli 2026 · 6 Min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Rund 28 Prozent der österreichischen Haushalte heizen mit Fernwärme - in Wien, Linz, Graz und Salzburg deckt das Netz weite Teile der Stadt ab.
  • Die Wärme kommt fertig erhitzt (80 bis 130 Grad) durch ein Rohrnetz ins Haus; eine Übergabestation ersetzt den eigenen Heizkessel.
  • Der Arbeitspreis liegt meist bei rund 6 bis 10 Cent pro kWh, in Summe grob 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr, dazu ein Grundpreis.
  • Fernwärme ist wartungsarm und platzsparend - aber es gibt pro Gebiet nur einen Anbieter und sie ist noch nicht überall verfügbar und noch nicht vollständig grün.
Fernwärme in Österreich: Funktion, Kosten und für wen sie sich lohnt

Wie Fernwärme funktioniert

Fernwärme dreht das Prinzip der eigenen Heizung um: Statt im Keller Wärme zu erzeugen, bezieht man sie fertig aus einem Netz. In einer zentralen Wärmequelle - meist einem Heizkraftwerk - wird Wasser auf 80 bis 130 Grad erhitzt und über ein gut gedämmtes, geschlossenes Rohrleitungsnetz unter Druck zu den Gebäuden geführt. Im Haus überträgt eine kompakte Übergabestation die Wärme auf den eigenen Heizkreislauf - Heizkörper, Fußbodenheizung und Warmwasserspeicher arbeiten dann ganz normal weiter. Einen eigenen Kessel, Brennstoff oder Kamin braucht es nicht mehr.

Woher die Wärme kommt

Der große Effizienzvorteil liegt in der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Viele Anlagen erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme und nutzen die Abwärme, die bei der Stromerzeugung ohnehin anfällt, statt sie zu verschwenden. Dazu kommt Wärme aus Müllverbrennung, Industrieabwärme und zunehmend aus erneuerbaren Quellen. In Wien etwa stammt die Fernwärme zu rund zwei Dritteln aus KWK und zu einem Drittel aus Müllverbrennung und sonstigen Quellen. Das thermische Kraftwerk wird so doppelt genutzt.

Was Fernwärme kostet

Der Preis setzt sich - ähnlich wie beim Strom - aus einem fixen und einem variablen Teil zusammen: einem Grundpreis (teils plus Leistungspreis) unabhängig vom Verbrauch und einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Der Arbeitspreis liegt meist bei rund 6 bis 10 Cent pro kWh. Über das Jahr gerechnet ergeben sich grob 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche; ein Haushalt mit 20.000 kWh Wärmebedarf zahlt damit ungefähr 1.200 bis 2.000 Euro pro Jahr. Beim Anschluss gilt: Liegt bereits eine Leitung in der Nähe, kostet ein neuer Anschluss rund 6.000 Euro; wer von einer bestehenden Gasheizung auf einen vorhandenen Anschluss umsteigt, kommt oft mit etwa 2.000 Euro aus.

Vorteile und Nachteile

  • + Komfort: kein eigener Kessel, kein Brennstofflager, kaum Wartung, kein Rauchfangkehrer - die Übergabestation ist klein und wartungsarm.
  • + Platz und Sicherheit: kein Heizraum, keine Verbrennung im Haus.
  • + Klima: durch KWK und das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz relativ emissionsarm und mit wachsendem Erneuerbaren-Anteil.
  • - Kein Wettbewerb: pro Versorgungsgebiet gibt es genau einen Anbieter - anders als bei Strom oder Gas kann man den Lieferanten nicht wechseln.
  • - Nicht überall: Fernwärme gibt es nur dort, wo ein Netz liegt - vor allem in Städten und dichter besiedelten Gebieten.
  • - Noch nicht ganz grün: ein Teil der Wärme stammt noch aus fossilen Brennstoffen; der Umbau läuft.

Für wen sich Fernwärme lohnt

Fernwärme ist vor allem in der Stadt und überall dort attraktiv, wo ein Netz vorhanden ist - für alle, die eine komfortable, wartungsarme Heizung ohne eigenen Kessel wollen. Beim Heizungstausch ist der Wechsel auf einen bestehenden Fernwärmeanschluss oft die einfachste und günstigste Variante und wird ebenfalls gefördert. Wo kein Netz liegt, sind eine Wärmepumpe oder eine Pelletsheizung die naheliegenden Alternativen. Das größte Netz Österreichs betreibt übrigens Wien - es versorgt rund ein Drittel der Stadt und zählt zu den größten Europas.

Häufige Fragen

Kann ich den Fernwärme-Anbieter wechseln?

Nein. Pro Versorgungsgebiet gibt es genau einen Fernwärme-Anbieter - einen freien Wettbewerb wie bei Strom oder Gas gibt es nicht. Der Preis wird vom jeweiligen Versorger festgelegt.

Ist Fernwärme klimafreundlich?

Relativ ja, vor allem dank Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärmenutzung. Ein Teil der Wärme stammt aber noch aus fossilen Brennstoffen; das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz treibt den Umbau auf erneuerbare Quellen voran.

Was kostet ein Fernwärme-Anschluss?

Liegt eine Leitung in der Nähe, rund 6.000 Euro für einen neuen Anschluss. Beim Umstieg von einer bestehenden Heizung auf einen schon vorhandenen Anschluss oft nur etwa 2.000 Euro. Förderungen im Rahmen des Heizungstauschs senken den Betrag.