Wärmekraft im Strom-Mix: Welche Rolle thermische Kraftwerke noch spielen
- Der Strom-Mix zeigt, aus welchen Quellen der Strom stammt - in Österreich dominiert die Wasserkraft mit rund 60 Prozent, thermische Kraftwerke steuern etwa ein Fünftel bei.
- Wärmekraftwerke erzeugen Strom, indem sie einen Brennstoff verbrennen, damit Wasserdampf erzeugen und diesen durch Turbinen leiten.
- Ihre wichtigste Rolle heute ist die einer regelbaren Reserve: Sie springen ein, wenn Sonne und Wind zu wenig liefern.
- Klimafreundlicher werden sie durch Biomasse statt Kohle, durch Kraft-Wärme-Kopplung und den geplanten Umstieg auf grüne Gase wie Wasserstoff.

Was der Strom-Mix aussagt
Der Strom-Mix beschreibt, aus welchen Energieträgern der erzeugte Strom stammt und wie groß deren jeweiliger Anteil ist. Für Österreich fällt er erfreulich grün aus: Rund 60 Prozent kommen aus Wasserkraft, rund 13 Prozent aus Windkraft, dazu ein wachsender Anteil Photovoltaik. Die genauen Anteile weist die Stromkennzeichnung der E-Control jährlich aus. Den Rest - grob ein Fünftel - liefern thermische Kraftwerke, die Wärmekraft.
Wie Wärmekraft Strom erzeugt
Das Prinzip ist über hundert Jahre alt und im Kern simpel: Ein Wärmekraftwerk verbrennt einen Brennstoff - Erdgas, Biomasse, Abfall - und erhitzt damit Wasser zu Dampf. Dieser Dampf strömt unter hohem Druck durch eine Turbine, treibt sie an und über sie einen Generator, der Strom erzeugt. Anschließend wird der Dampf abgekühlt, kondensiert und der Kreislauf beginnt von neuem. Der Brennstoff liefert also die Wärme, die über den Umweg Dampf in Strom umgewandelt wird - daher der Name.
Die Rolle im heutigen System: die Reserve
Früher lieferten Wärmekraftwerke die Grundlast rund um die Uhr. Heute hat sich ihre Aufgabe verschoben. Weil Sonne und Wind schwankend einspeisen, braucht das Netz regelbare Reserven, die genau dann Strom liefern, wenn die Erneuerbaren schwächeln - etwa an einem windstillen, trüben Winterabend. Thermische Kraftwerke lassen sich hoch- und runterfahren und übernehmen diese Absicherung. Sie sind damit weniger Dauerläufer als Lückenfüller - ein wichtiger Baustein, bis genügend Speicher und intelligente Netze diese Aufgabe übernehmen können.
Wie Wärmekraft grüner wird
Damit die Wärmekraft ins klimaneutrale Energiesystem passt, verändert sie sich:
- Biomasse statt Kohle: Kohlekraft ist in Österreich Geschichte - das letzte Kohlekraftwerk in Mellach (Steiermark) ging 2020 vom Netz und dient heute als Gas-Reservekraftwerk. Viele thermische Anlagen setzen auf Biomasse oder Abfall - der CO₂-Fußabdruck sinkt deutlich.
- Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Moderne Anlagen nutzen die Abwärme, die bei der Stromerzeugung ohnehin anfällt, für Fernwärme. So steigt der Gesamtwirkungsgrad stark.
- Grüne Gase: Perspektivisch sollen bestehende Gaskraftwerke mit Wasserstoff oder Biogas statt Erdgas laufen und so auch als Reserve klimaneutral werden.
Häufige Fragen
Wird Österreich thermische Kraftwerke ganz abschalten?
Vollständig kaum - eine regelbare Reserve bleibt für die Versorgungssicherheit nötig. Ziel ist aber, sie mit klimaneutralen Brennstoffen zu betreiben und ihren Einsatz durch Speicher und Erneuerbare so weit wie möglich zu reduzieren.
Wie sehe ich den Strom-Mix meines Anbieters?
Jeder Stromlieferant muss seinen Mix ausweisen - die sogenannte Stromkennzeichnung auf der Rechnung. Wer sichergehen will, echten Ökostrom zu beziehen, achtet zusätzlich auf ein Gütesiegel, wie im Ratgeber zu Ökostrom erklärt.