Heizen

Wärmepumpe im Altbau

Das Wichtigste in Kürze
  • Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur: Unter 55 Grad ist unproblematisch, bis 65 Grad gut machbar, bis 75 Grad mit Hochtemperaturgeräten möglich.
  • Ein sanierter Altbau kommt meist mit 40 bis 55 Grad aus, ein unsanierter braucht oft über 60 Grad - dort sinkt die Effizienz spürbar.
  • Der Selbsttest: An einem kalten Tag den Vorlauf auf 50 bis 55 Grad senken. Wird es in allen Räumen warm, ist der Weg frei.
  • Eine Fußbodenheizung ist nicht Bedingung - in vielen Altbauten reichen die vorhandenen Heizkörper, oft genügt der Tausch einzelner zu kleiner Stücke.
Wärmepumpe im Altbau

Die falsche und die richtige Frage

Die verbreitete Frage lautet: Ist mein Haus alt genug, dass die Wärmepumpe nicht funktioniert? Sie führt in die Irre, denn das Baujahr sagt für sich genommen wenig. Die richtige Frage ist: Welche Vorlauftemperatur braucht mein Haus an einem kalten Tag?

Denn nur diese eine Zahl entscheidet. Eine Wärmepumpe ist eine Niedertemperaturheizung - je kälter das Heizwasser sein darf, desto besser arbeitet sie. Grob gilt:

Nötige VorlauftemperaturEinschätzung
unter 55 Gradproblemlos, Standardgeräte reichen
55 bis 65 Gradgut machbar, Effizienz sinkt moderat
65 bis 75 Gradmit Hochtemperatur-Wärmepumpen möglich, aber teurer im Betrieb

Ein sanierter Altbau kommt typischerweise mit 40 bis 55 Grad aus - also klar im grünen Bereich. Ein unsanierter braucht dagegen oft über 60 Grad. Genau deshalb funktionieren Wärmepumpen in den allermeisten österreichischen Altbauten, auch ohne Fußbodenheizung und häufig sogar ohne Heizkörpertausch - der Verband Wärmepumpe Austria kommt im Fachartikel zur Wärmepumpe im Altbau zum selben Schluss.

Der Selbsttest, der nichts kostet

Bevor irgendjemand ein Angebot legt, lässt sich die entscheidende Frage selbst beantworten. Man braucht dafür nur einen kalten Tag und die Regelung der bestehenden Heizung:

  1. An einem Tag mit niedrigen Außentemperaturen die Vorlauftemperatur auf 50 bis 55 Grad begrenzen.
  2. Einen Tag lang normal weiterheizen und beobachten.
  3. Prüfen, ob alle Räume die gewohnte Temperatur erreichen.

Wird es überall warm, spricht technisch nichts gegen die Wärmepumpe - das Haus läuft dann schon heute im Niedertemperaturbereich. Bleiben einzelne Räume kühl, ist das kein Ausschlussgrund: Meist sind dort schlicht die Heizkörper zu klein. Der Tausch einzelner Stücke ist deutlich billiger als eine komplette Sanierung.

Heizkörper, Flächenheizung oder Niedertemperatur

Eine Flächenheizung ist die effizienteste, aber nicht die einzige Lösung. Drei Wege führen zum Ziel:

  • Vorhandene Heizkörper behalten. Oft möglich, weil Heizungen in Altbauten historisch großzügig dimensioniert wurden - viele Anlagen laufen heute weit unter ihrer Auslegungstemperatur.
  • Einzelne Heizkörper vergrößern. Der günstigste gezielte Eingriff. Ein größerer Heizkörper gibt bei niedrigerer Temperatur dieselbe Wärme ab.
  • Niedertemperatur-Heizkörper einbauen. Sie kommen mit 35 bis 45 Grad Vorlauf zurecht, teils mit kleinen Ventilatoren, und ersetzen die alten Stücke ohne Eingriff in den Fußboden.

Der Umbau auf eine Fußbodenheizung lohnt sich meist nur dort, wo der Boden ohnehin heraus muss. Wer nur wegen der Wärmepumpe aufstemmt, zahlt viel für einen Effizienzgewinn, den auch ein größerer Heizkörper zu einem Bruchteil bringt.

Was höhere Vorlauftemperaturen kosten

Ein Altbau mit 65 Grad Vorlauf lässt sich beheizen - aber er kostet mehr. Der Preis heißt Jahresarbeitszahl: Je höher der Vorlauf, desto weniger Wärme macht die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom.

Was das ausmacht, zeigt die Rechnung: Bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf und einem Strompreis von 29 Cent kostet eine Jahresarbeitszahl von 3,5 rund 1.660 Euro im Jahr, eine von 4,5 rund 1.290 Euro. Der Unterschied von 370 Euro jährlich summiert sich über zwanzig Jahre auf mehr als 7.000 Euro - genug, um einige Heizkörper und einen hydraulischen Abgleich zu finanzieren. Die Details zu Verbrauch und Betriebskosten stehen im Überblick zu Kosten und Stromverbrauch.

Der Abgleich ist im Altbau besonders wichtig. Ohne ihn bestimmt der ungünstigste Raum die Vorlauftemperatur für das ganze Haus - ein einziger unterversorgter Heizkörper zieht damit die Effizienz der gesamten Anlage nach unten.

Der saubere nächste Schritt

Fällt der Selbsttest positiv aus, folgt die Heizlastberechnung nach EN 12831, und zwar raumweise. Sie beantwortet zwei Fragen, die man sonst nur schätzen kann: Wie viel Leistung braucht das Gebäude wirklich, und welche Heizkörper sind bei welcher Vorlauftemperatur zu klein?

Ohne diese Berechnung wird fast jede Wärmepumpe zu groß ausgelegt - nach Faustformeln oder nach der Leistung des alten Kessels, der seinerseits überdimensioniert war. Eine zu große Wärmepumpe kostet mehr in der Anschaffung, taktet häufiger und verschleißt schneller. Die Berechnung ist damit die Investition mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im ganzen Projekt.

Danach geht es um Bauart und Förderung: Ob Luft oder Erdreich als Quelle sinnvoller ist - die Funktionsweise der Bauarten erklärt der Branchenverband -, hängt bei hohem Wärmebedarf oft zugunsten der Erdwärme aus - sie liefert die höhere Jahresarbeitszahl gerade dann, wenn viel Wärme gebraucht wird. Wie es mit den Zuschüssen steht, steht im Ratgeber zum Heizungstausch; die Bedingungen des Bundes stehen beim Programm Kesseltausch.

Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?

In den allermeisten österreichischen Altbauten ja, auch ohne Fußbodenheizung und oft ohne Heizkörpertausch. Entscheidend ist die nötige Vorlauftemperatur: Unter 55 Grad ist unproblematisch, bis 65 Grad gut machbar, bis 75 Grad mit Hochtemperaturgeräten möglich.

Wie teste ich, ob mein Haus geeignet ist?

An einem richtig kalten Tag die Vorlauftemperatur der bestehenden Heizung auf 50 bis 55 Grad senken und einen Tag beobachten. Werden alle Räume warm, spricht nichts gegen eine Wärmepumpe. Bleiben einzelne Räume kühl, sind meist nur dort die Heizkörper zu klein.

Brauche ich eine Fußbodenheizung?

Nein. Eine Flächenheizung ist die effizienteste Lösung, aber keine Bedingung. Vorhandene Heizkörper reichen in vielen Altbauten aus; alternativ gibt es Niedertemperatur-Heizkörper, die mit 35 bis 45 Grad Vorlauf zurechtkommen.

Was kostet die höhere Vorlauftemperatur?

Effizienz. Je höher der Vorlauf, desto niedriger die Jahresarbeitszahl und desto mehr Strom fließt. Der Unterschied zwischen einer Jahresarbeitszahl von 3,5 und 4,5 macht bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf rund 370 Euro im Jahr aus.

Was ist der nächste Schritt nach dem Selbsttest?

Eine Heizlastberechnung nach EN 12831, raumweise. Sie sagt, wie viel Leistung das Gebäude wirklich braucht und welche Heizkörper zu klein sind. Ohne sie wird die Wärmepumpe meist zu groß dimensioniert, was Anschaffung und Betrieb verteuert.

Lohnt sich zuerst die Dämmung?

Sie senkt die nötige Vorlauftemperatur und den Wärmebedarf gleichzeitig - beides hebt die Jahresarbeitszahl. Wo eine Sanierung ohnehin ansteht, gehört sie deshalb vor den Heizungstausch. Wo nicht, ist sie keine Voraussetzung, solange der Selbsttest passt.