Wasserstoffauto: Wie die Brennstoffzelle funktioniert - und ob sie sich lohnt
- Ein Wasserstoffauto ist ein Elektroauto - der Strom kommt aber nicht aus einem großen Akku, sondern wird in einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff an Bord erzeugt.
- Getankt wird in drei bis fünf Minuten, die Reichweite liegt bei 500 bis 700 Kilometern - die großen Stärken der Technik.
- In Österreich gibt es aber nur fünf öffentliche Wasserstoff-Tankstellen (Wien, Wiener Neudorf, Asten, Graz, Innsbruck), alle von der OMV betrieben.
- Für Pkw hat sich das Batterie-Elektroauto durchgesetzt: dichteres Ladenetz, günstigerer Betrieb, mehr Modelle. Wasserstoff bleibt vor allem für Schwerverkehr interessant.

Ein Elektroauto mit Bordkraftwerk
Ein Wasserstoffauto - fachlich ein Brennstoffzellenfahrzeug (FCEV) - ist im Kern ein Elektroauto: Angetrieben wird es von einem Elektromotor. Der Unterschied liegt darin, woher der Strom kommt. Statt aus einem großen Akku wie beim klassischen Elektroauto erzeugt das Fahrzeug den Strom selbst - in einer Brennstoffzelle, die getankten Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Luft reagieren lässt. Dabei entstehen elektrische Energie und, als einziges Abgas, reiner Wasserdampf. Ein kleiner Pufferakku fängt Bremsenergie auf und hilft beim Beschleunigen.
Die Stärken: schnell tanken, weit fahren
Zwei Dinge kann das Wasserstoffauto besonders gut. Erstens das Tanken: An der Zapfsäule ist der Drucktank in drei bis fünf Minuten voll - so schnell wie bei einem Benziner und deutlich flotter als jede Ladepause am Schnelllader. Zweitens die Reichweite: 500 bis 700 Kilometer sind mit einer Tankfüllung drin, auch bei Kälte, ohne dass das Gewicht wie bei einem riesigen Akku explodiert. Genau deshalb gilt die Brennstoffzelle für schwere, weit fahrende Fahrzeuge - Lkw, Busse, Nutzfahrzeuge - als aussichtsreich.
Der Knackpunkt: das Tankstellennetz
Die große Schwäche im Alltag ist die Infrastruktur. In Österreich gibt es aktuell nur fünf öffentliche Wasserstoff-Tankstellen - in Wien, Wiener Neudorf, Asten (bei Linz), Graz und Innsbruck, allesamt von der OMV betrieben. Wer nicht in deren Nähe wohnt, kann ein Wasserstoffauto im Privatalltag kaum sinnvoll nutzen. Zwar gibt es europaweit Ausbaupläne, doch der Fortschritt ist zäh. Zum Vergleich: Öffentliche Ladepunkte fürs Elektroauto gibt es in Österreich über 25.000 - und zu Hause laden geht ohnehin an jeder Steckdose.
Was kostet das Tanken?
Wasserstoff kostet an der Säule rund 9 Euro pro Kilogramm. Ein FCEV verbraucht etwa 1 Kilogramm auf 100 Kilometer, macht also grob 9 Euro pro 100 Kilometer. Damit liegt Wasserstoff spürbar über den Kosten eines Elektroautos, das zu Hause geladen wird, und etwa auf dem Niveau eines sparsamen Benziners. Dazu kommt der Anschaffungspreis: Die wenigen verfügbaren Modelle wie der Toyota Mirai und der Hyundai Nexo sind teuer, und anders als reine Elektroautos fallen Brennstoffzellenfahrzeuge nicht immer unter die staatlichen Förderungen.
Wie grün ist der Wasserstoff?
Die Umweltbilanz steht und fällt mit der Herkunft des Wasserstoffs. Nur mit grünem Wasserstoff, also per Elektrolyse aus Ökostrom erzeugt, fährt das Auto wirklich klimaneutral. Ein großer Teil des heute verfügbaren Wasserstoffs stammt aber noch aus Erdgas. Hinzu kommt der Wirkungsgrad: Der Umweg Strom -> Wasserstoff -> Strom im Auto verliert deutlich mehr Energie als das direkte Laden eines Akkus. Für den Pkw ist das ein gewichtiges Argument fürs Batterie-Elektroauto.
Wasserstoffauto oder Elektroauto?
Für den privaten Pkw hat sich die Frage in Österreich vorerst entschieden: Das Batterie-Elektroauto ist im Vorteil - dichteres Ladenetz, Laden zu Hause, günstigerer Betrieb, deutlich mehr Modelle und meist bessere Förderung. Das Wasserstoffauto punktet mit kurzen Tankzeiten und großer Reichweite, scheitert im Alltag aber am dünnen Tankstellennetz. Seine Zukunft liegt daher weniger beim Pkw als beim Schwerverkehr und in der Industrie, wo schnelles Tanken und hohe Reichweite den Ausschlag geben.
Häufige Fragen
Wie viele Wasserstoff-Tankstellen gibt es in Österreich?
Derzeit fünf öffentliche Stationen - in Wien, Wiener Neudorf, Asten, Graz und Innsbruck, alle von der OMV betrieben. Damit ist das Netz für den privaten Alltag zu dünn.
Ist ein Wasserstoffauto ein Elektroauto?
Ja. Es wird von einem Elektromotor angetrieben. Der Strom kommt aber nicht aus einem großen Akku, sondern wird in einer Brennstoffzelle an Bord aus getanktem Wasserstoff erzeugt.
Was kostet 100 Kilometer mit dem Wasserstoffauto?
Bei rund 9 Euro pro Kilogramm und etwa 1 Kilogramm Verbrauch auf 100 Kilometer sind es grob 9 Euro pro 100 Kilometer - mehr als beim Laden eines Elektroautos zu Hause.