Heizen

Elektroheizung: Vorteile, Nachteile und wann sie sinnvoll ist

Von der Redaktion · 4. Juli 2026 · 7 Min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Elektroheizung wandelt Strom direkt in Wärme um - günstig und einfach in der Anschaffung, wartungsfrei und ohne Schornstein oder Brennstofflager.
  • Der große Nachteil: Strom ist der teuerste Energieträger. Eine Kilowattstunde Strom kostet rund das Drei- bis Vierfache einer Kilowattstunde aus einer Wärmepumpe.
  • Sinnvoll ist sie vor allem als Zusatzheizung, für selten genutzte Räume oder in sehr gut gedämmten Häusern mit minimalem Wärmebedarf.
  • In Kombination mit einer eigenen PV-Anlage oder als Infrarotheizung kann sie punktuell wirtschaftlich sein - als alleinige Hauptheizung ist sie meist zu teuer.
Elektroheizung: Vorteile, Nachteile und wann sie sinnvoll ist

Wie eine Elektroheizung funktioniert

Das Prinzip ist denkbar einfach: Elektrischer Strom durchfließt einen Heizwiderstand und wird dabei vollständig in Wärme umgewandelt. Diese direkte Umwandlung erreicht rechnerisch fast 100 Prozent Wirkungsgrad - jede Kilowattstunde Strom wird zu einer Kilowattstunde Wärme. Genau hier liegt aber auch das Problem, wie sich gleich zeigt. Man unterscheidet drei Bauarten:

  • Direktheizungen wie Konvektoren, Heizstrahler oder Heizlüfter geben die Wärme sofort an die Raumluft ab.
  • Nachtspeicheröfen laden nachts mit früher günstigerem Strom einen Speicherkern auf und geben die Wärme über den Tag verteilt wieder ab - ein Konzept aus der Zeit des billigen Nachtstroms.
  • Infrarotheizungen erwärmen nicht die Luft, sondern über Strahlung direkt Körper und Flächen im Raum.

Die Vorteile

  • Günstig in der Anschaffung: Ein Elektroheizkörper kostet einen Bruchteil einer Zentralheizung oder Wärmepumpe.
  • Einfache Installation: Kein Schornstein, kein Brennstofflager, keine Rohrleitungen - oft genügt eine Steckdose.
  • Wartungsfrei: Es gibt keine beweglichen Teile, keinen Brenner, keine jährliche Wartung.
  • Schnell und punktgenau: Die Wärme ist sofort da und lässt sich raumweise regeln.

Der große Nachteil: die Betriebskosten

So günstig die Anschaffung, so teuer der Betrieb. Der Grund: Strom ist der teuerste Energieträger. Bei den aktuellen Strompreisen von rund 29 Cent pro Kilowattstunde kostet die Wärme aus einer Elektroheizung ein Vielfaches der Wärme aus Gas, Pellets oder einer Wärmepumpe. Der entscheidende Vergleich ist die Wärmepumpe: Sie wandelt eine Kilowattstunde Strom nicht in eine, sondern in drei bis vier Kilowattstunden Wärme, weil sie den Großteil der Energie kostenlos aus der Umwelt zieht. Mit demselben Strom heizt sie also drei- bis viermal günstiger.

Was das konkret kostet: ein Rechenbeispiel

Nehmen wir ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mit einem Wärmebedarf von 10.000 Kilowattstunden pro Jahr und rechnen mit 29 Cent je Kilowattstunde Strom:

  • Elektro-Direktheizung: 10.000 kWh Strom × 0,29 Euro = rund 2.900 Euro Heizkosten pro Jahr.
  • Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl 4): Sie braucht für dieselbe Wärme nur 2.500 kWh Strom - also rund 725 Euro pro Jahr.

Das sind über 2.000 Euro Unterschied - und das Jahr für Jahr. Die günstige Anschaffung der Elektroheizung ist damit oft schon nach wenigen Heizsaisonen wieder aufgezehrt. Die Werte sind Beispielrechnungen; der tatsächliche Verbrauch hängt von Dämmung, Wärmebedarf und Tarif ab.

Wann eine Elektroheizung trotzdem sinnvoll ist

Die hohen Betriebskosten fallen nur ins Gewicht, wenn viel geheizt wird. Genau deshalb hat die Elektroheizung ihre berechtigten Nischen:

  • Selten genutzte Räume: Gästezimmer, Hobbyraum, Keller oder ein Bad, das nur morgens kurz warm sein soll - hier überwiegen die niedrigen Anschaffungskosten.
  • Zusatz- und Übergangsheizung: Für einzelne kalte Tage im Frühjahr oder Herbst, an denen sich das Anwerfen der Zentralheizung nicht lohnt.
  • Sehr gut gedämmte Häuser: Im Passiv- oder Niedrigstenergiehaus ist der Wärmebedarf so gering, dass die hohen Stromkosten kaum ins Gewicht fallen.
  • Mit eigener PV-Anlage: Wer den Strom selbst erzeugt, etwa mit einer Photovoltaikanlage, relativiert die hohen Stromkosten - besonders in der sonnenreichen Übergangszeit.

Infrarotheizung als moderne Variante

Ein Sonderfall ist die Infrarotheizung. Sie erwärmt nicht die Luft, sondern über Strahlung direkt Körper und Flächen im Raum - ähnlich wie die Sonne auf der Haut. Das fühlt sich oft schon bei etwas niedrigerer Lufttemperatur behaglich an, und die flachen Paneele lassen sich als Bild oder Spiegel kaschieren. Physikalisch effizienter ist sie deshalb aber nicht: Auch die Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme und heizt mit teurem Strom. Als gezielte Zusatzheizung im Bad oder im Homeoffice ist sie interessant, als alleinige Hauptheizung für ein ganzes Haus meist zu teuer - es sei denn, der Wärmebedarf ist sehr gering oder der Strom kommt vom eigenen Dach.

Alte Nachtspeicheröfen: Vorsicht bei der Entsorgung

Wer einen alten Nachtspeicherofen ausbauen lässt, sollte eines wissen: Geräte aus der Zeit vor etwa 1977 enthalten häufig Asbest und teils weitere Schadstoffe in der Dämmung des Speicherkerns. Der Ausbau darf deshalb nur von einem befugten Fachbetrieb für gefährliche Abfälle erfolgen - beim unsachgemäßen Zerlegen können Asbestfasern freigesetzt werden. Das Altgerät wird anschließend als Elektroaltgerät beziehungsweise Sondermüll entsorgt. Ob ein bestimmtes Modell asbesthaltig ist, wissen die Abfallberater der Länder oder die Elektroaltgeräte-Koordinierungsstelle anhand von Marke und Typ.

Fazit

Die Elektroheizung ist ein klassischer Fall von "günstig gekauft, teuer betrieben". Als Hauptheizung ist sie in den meisten Fällen die falsche Wahl - hier führt der Weg zur Wärmepumpe, die zudem gefördert wird. Als flexible Zusatzheizung für wenig genutzte Räume oder in Kombination mit Eigenstrom hat sie aber durchaus ihre Berechtigung.

Häufige Fragen

Ist eine Elektroheizung im Neubau überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich ja - die OIB-Richtlinie 6 verbietet elektrische Widerstandsheizungen als Hauptheizung nicht generell. Wegen der hohen Betriebskosten und der Klimaziele wird sie als alleinige Hauptheizung aber nicht empfohlen, und einzelne Bundesländer können in ihren Bauordnungen strengere Vorgaben machen. Für den Neubau ist die Wärmepumpe fast immer die bessere Wahl.

Sind Nachtspeicherheizungen noch zeitgemäß?

Kaum. Sie verbrauchen viel Strom und gelten als ineffizient. Wo sie noch stehen, lohnt oft der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Der zugrunde liegende Nachtstrom-Gedanke lebt heute in dynamischen Tarifen weiter - siehe den Ratgeber Was ist Nachtstrom?

Wird die Elektroheizung gefördert?

Als reine Stromdirektheizung in der Regel nicht - im Gegenteil, gefördert wird meist der Umstieg weg von ineffizienten Systemen hin zur Wärmepumpe. Eine Infrarotheizung als Zusatz kann im Einzelfall anders bewertet werden.